Rezension: Tommy Jaud - Hummeldumm



  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Scherz; Auflage: 4 (2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596174767
  • Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 2,3 x 18,9 cm
  • Preis: 13,95€

Der Bestseller – mit Daumenkino!

»Sitzreihe 12 war die letzte, die zwischen Tortellini und Hühnchen wählen durfte. Ich saß in Reihe 13. Schon auf dem Hinflug hätte mir klar sein können, dass der Jahresurlaub zum Albtraum wird.«

Wer an allem schuld ist, ist für Matze sowieso klar: seine Freundin Sina. Während er in endlosen Verhandlungen die neue Eigentumswohnung klargemacht hat, sollte sie einfach nur »irgendwas« buchen. Hat sie auch. Doch musste dieses »irgendwas« ausgerechnet eine zweiwöchige Gruppenreise durch Namibia sein, ein Land, in dem jede hüftkranke Schildkröte schneller ist als das Internet? Was hat er denn verbrochen, dass man ihn nun täglich in einen Kleinbus voller Bekloppter sperrt, um ihn dann zu österreichischen Schlagern über afrikanische Schotterpisten zu rütteln? Und warum stolpert er bei minus zwei Grad in einem albernen Wanderhut über die Dünen der Kalahari, statt auf Mallorca ein Bierchen zu schlürfen? Als Matze dann noch daran erinnert wird, dass die sicher geglaubte Wohnung an andere Käufer geht, wenn er nicht sofort die fünftausend Euro Reservierungsgebühr überweist, hat er gleich noch drei neue Probleme: Das nächste Internetcafé ist fünfhundert Kilometer entfernt, der Handyakku plattgedaddelt und das einzige Ladegerät fest in österreichischer Hand.

»Ich drücke meine Nase ans Busfenster und blicke hinaus ins weite Land. Die Namibier winken uns und lachen. Klar lachen sie, sie sind ja frei. Wir nicht. Wir sind die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.«





"Vollidiot" - was für die meisten Menschen ein Schimpfwort ist, müsste in Tommy Jauds Ohren wie Musik klingen. Denn mit "Vollidiot" landete er 2004 seinen ersten Bestseller, dem weitere folgen sollten. Mit "Resturlaub", "Millionär" oder "Hummeldumm" vergrößerte er seine Fangemeinde stetig. 2015 entschloss sich Tommy Jaud mit "Einen Scheiß muss ich" eine Ratgeber-Parodie kalifornischer Prägung zu erfinden und zu veröffentlichen.

Dass er schreiben kann und Witz hat, bewies Jaud, der 1970 in Schweinfurt geboren wurde und heute in Köln lebt, schon Ende der 1990er-Jahre. Damals arbeitete er als Headwriter der Sat.1-"Wochenshow" und Anfang der 2000er-Jahre war er Creative Producer von Anke Engelkes preisgekrönter Sendung "Ladykracher". Dann kam besagter "Vollidiot" und mit ihm der Durchbruch als Schriftsteller.

Schon alleine das Cover, fand ich lustig. mit dem Erdmännchen drauf, aber als das dann auch noch im Buch erwähnt wurde, fand ich das Cover umso passender. Das ist mein erstes Buch von Tommy Jaud, hatte aber schon viel Gutes von ihm gehört.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig, lustig und auch sehr bildlich geschrieben. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, erklärt Situationen nüchtern und doch musste ich herzlich lachen. Er bringt alles gut auf den Punkt und auch die Charaktere sind ausführlich beschrieben, allen voran natürlich der Protagonist Matze, aus dessen Sicht das Buch geschrieben ist. Matze kann man eigentlich nur bemitleiden, denn er tritt von einem Fettnäpfchen in das nächste und man kann sich köstlich auf seine Kosten amüsieren.

Eine so verrückte Wandergruppe hat man glaube ich selten gesehen und dann muss Matze auch noch so viel Zeit mit ihnen verbringen, dabei wollte er einen schönen und romantischen Urlaub haben. Schon am Flughafen würde er am liebsten in den nächsten Flieger steigen und zurück nach Deutschland, als er die Mitglieder seiner Wandergruppe sieht. Jeder ist auf seine Art und Weise Einzigartig und doch haben sie alle eins gemeinsam: sie gehen Matze tierisch auf den Senkel. Matzes Freundin Sina muss hilflos dabei zu sehen, wie Matze sich immer weiter abschottet und nicht mehr an der Reise teilnimmt. Natürlich warten auch etliche Abenteuer auf die verrückte Gruppe.

Mit Kevin Schnabel, der Name alleine ist schon goldwert, hat Matze jedoch das Größte Problem, er hat ein Auge auf seine Sina geworfen und dann zieht er voreilige Schlüsse und macht die Situation dadurch nur noch schlimmer. Auch der Guide Bahee ist unheimlich komisch, mit seinem Tick am Ende jedes Satzes ne zu sagen als sei es eine Frage. Das alles ist aber noch nicht schlimm genug, Matze muss sich auch noch um die Eigentumswohnung kümmern, die die beiden kurz vor dem urlaub reserviert haben, nur leider hat er vergessen die Reservierungsgebühr zu überweisen. In der afrikanischen Wüste Internet zu haben ist ein Luxus und jedes Mal wenn er dann welches hat, passiert wieder ein Unglück.



Eine wirklich lustige Geschichte, die mich hier und da herzlich hat lachen lassen. Matze ist fast schon zu bemitleiden, wäre es nicht so köstlich, sich auf seine kosten zu amüsieren. Tommy Jaud hat nicht umsonst einen so guten Ruf!



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